Der SUZUKI WORLD TRIATHLON Hamburg presented by HAMBUR WASSER, veranstaltet von der Deutschen Triathlon Union e.V. (DTU) gilt als „größter Triathlon der Welt“ und zieht jährlich rund 250.000 Besucher:innen sowie 9.000 Sportler:innen in die Hamburger Innenstadt.
Als naturnahe Sportart trägt der Triathlon eine besondere Verantwortung für den Erhalt von Sport- und Lebensräumen. Die DTU hat sich daher eine nachhaltige Umsetzung der Veranstaltung im Jahr 2023 als strategisches Ziel gesetzt.
Unter anderem im Bereich der Publikumsverpflegung werden bereits diverse Maßnahmen zur Abfallreduktion umgesetzt – etwa durch verpflichtende und freiwillige Nachhaltigkeitskriterien für die rund 15 Stände im Public Catering.
Neu ist die erstmalige Umstellung des stark frequentierten Nachzielbereichs auf ein Mehrwegsystem für Sportler:innen. Gemeint ist damit der abgegrenzte Bereich, den Athlet:innen unmittelbar nach dem Zieleinlauf durchlaufen. Hier findet eine erste Verpflegung statt. Typische Funktionen des Nachzielbereichs sind folgende:
- Erstversorgung/Medical Check – Sanitäter:innen prüfen den Zustand der Finisher:innen
- Finisher-Ausstattung – Ausgabe von Medaille, Finisher-Shirt, Decke/Poncho
- Verpflegung – Wasser, isotonische Getränke, Snacks/Recovery-Food
- Lenkung/Crowd Control – geordnete Weiterleitung aus dem Zielbereich raus, um Rückstau bei der Ziellinie zu vermeiden
- Athletenbetreuung – Bereich für Betreuer:innen/Familie, teils mit Sitzgelegenheiten
Problem
Die Sportler:innen werden direkt nach dem Zieleinlauf in einen Bereich für Nachzielversorgung gebeten. Dort versorgen sich in kurzem Zeitraum tausende Sportler:innen an Trinkstationen. Die Athlet:innen sind körperlich erschöpft und wollen schnell versorgt werden, die Becher werden dabei nur sehr kurz genutzt. Beim Einsatz von Einwegbechern summiert sich das schnell zu großen Müllmengen. Um das zu verhindern, sollte Mehrweg genutzt und die Ausgabe von Getränken in der hochfrequentierten Nachzielverpflegung zügig, unkompliziert und ohne zusätzliche Belastung erfolgen.
Die schrittweise Implementierung von Mehrweg auf Veranstaltungen auf öffentlichen Flächen geht so auch auf gesetzliche Vorgaben des Hamburger Abfallwirtschaftsgesetz ein.Darin wird der Verzicht von Einwegprodukten und der Einsatz von Mehrweg . Weitere Details können hier nachgelesen werden: Deep Dive Mehrwegregulierung in Deutschland
Die Einrichtung eines vom Veranstalter umgesetzten Mehrwegsystems bedeutet Bestellung, Lagerung, Logistik und Spülung selbst zu organisieren. Das beansprucht oft erhebliche personelle und organisatorische Ressourcen. Die gemeinsame Umsetzung mit einem externen Dienstleister bedeutet wiederum höhere Stückkosten pro Mehrwegbehältnis als bei Einwegprodukten. Bei Bechern liegt der Stückpreis eines Einwegbechers ungefähr bei 0,04 € pro Stück und bei Mehrwegbechern eines externen Dienstleisters samt Logistik und Spülung bei ungefähr 0,12 € pro Stück. Grund dafür ist ein systemischer Vorteil von Einwegprodukten. Dieser liegt in der betriebswirtschaftlichen Kostenoptimierung durch industrielle Skaleneffekte, während die tatsächlichen ökologischen Folgekosten sowie die finanziellen Lasten der Müllbeseitigung vollständig auf die Allgemeinheit externalisiert werden. Mehr Details dazu können beim Wegweiser Mehrweg nachgelesen werden.
Lösungsansatz
Für die Getränkeausgabe im Zielbereich wurde sich für eine Umsetzung mit externem Dienstleistenden entschieden, als regionaler Mehrweganbieter wirkte Fairplate Mehrwegsysteme GmbH mit den Produkten von sustable mit, der 20.000 Becher samt An- und Ablieferung zur Verfügung stellte und außerdem die anschließende Reinigung in der lokalen Spülstraße in Hamburg Stellingen abwickelte.
Der Nachzielbereich erstreckte sich auf ca. 150 Metern auf der Straße Rathausmarkt zwischen der Mönckebergstraße und dem Reesendamm. Es gab zwei große Ausgänge einmal zur Mönckebergstraße und einmal zur Plan Str. Die Getränkeausgabe erfolgte in einem Zelt mit einem durchgängigen Personalspiegel von 5 Personen. Da die Sportler:innen im Nachzielbereich kein Geld oder sonstige Zahlungsmittel bei sich tragen und es sich um einen nicht öffentlichen Bereich handelt, wurde die Herausgabe ohne Pfand abgewickelt. Die Sportler:innen waren bereits im Vorfeld über Soziale Medien und den Veranstaltungsnewsletter über den Einsatz von Mehrweg informiert worden.
Zur Rückgabe der Becher wurden an den Ausgängen des Nachzielbereichs insgesamt 4 Rückgabetonnen aufgestellt. Sie waren deutlich beschriftet, so dass sie als Rückgabestellen für Mehrwegbecher erkennbar waren. Ergänzend waren die Tonnen durch ca. 4-6 Volunteers pro Schicht betreut, so dass die Sportler:innen proaktiv und mehrsprachig angesprochen und zur Rückgabe der Becher aufgefordert werden konnten. Die Ansprache durch das Personal war ein entscheidender Faktor für die Rücklaufquote, gerade da kein Pfand erhoben wurde.
Im Rahmen der Veranstaltung wurden damit im Nachzielbereich erstmals rund 20.000 beschichteter Einweg-Pappbecher vollständig durch Mehrwegbecher ersetzt. Dies entspricht einer Reduktion der in diesem Bereich anfallenden CO2e-Emissionen um ca. 45% oder 85 kg CO2e, vor allem einer erheblichen Menge an Müll.





