Das sportliche Großevent Ironman Hamburg fand am 7. Juni 2026 in der Hamburger Innenstadt statt und versammelte rund 3.000 teilnehmende Athlet:innen.
Problem
Im Fokus dieses Fallbeispiels wird die Maßnahme “Mehrweggeschirr” beschrieben. Das Angebot dessen fand an einem spezifischen abgesperrten Ort statt, dem Athlet:innen-Garten, in dem die Sportler:innen nach dem Rennen verpflegt wurden. Somit gab es einen abgegrenzten, klar definierten Bereich, es ging nicht um die Ausstattung von Mehrweg entlang der Wettkampfstrecke.
Sportler:innen werden unmittelbar nach der körperlichen Höchstbelastung hinter dem Zieleinlauf in einem abgesperrten Bereich, dem Athlet:innen-Garten, verpflegt. Eine zügige, reibungslose Verpflegung ist hier besonders wichtig, denn innerhalb kürzester Zeit treffen hier tausende von Sportler:innen ein. Das bedeutet auch, dass Unmengen an Einwegprodukten wie Pappbecher kurzzeitig genutzt werden und dabei immense Mengen an Müll entstehen.
Die schrittweise Implementierung von Mehrweg auf Veranstaltungen auf öffentlichen Flächen geht damit auf gesetzliche Vorgaben des Hamburger Abfallwirtschaftsgesetz ein. Darin wird der Verzicht von Einwegprodukten und, sofern technisch und wirtschaftlich möglich, der Einsatz von Mehrweg vorgeschrieben.
Lösungsansatz
Für eine reibungslose Mehrwegumsetzung der Verpflegungsstation wurde 2026 erstmalig eine Zusammenarbeit mit dem Dienstleister Fairplate Mehrwegsysteme GmbH/ Sustable eingegangen, der sowohl die Mehrwegbecher als auch spezielle Rückgabetonnen zur Verfügung stellte und die anschließende Spüllogistik übernahm. Die Anlieferung des Materials erfolgte aufgrund zahlreicher Streckensperrungen bereits am Freitag vor der Veranstaltung in ein Lager, während der eigentliche Transport zur Strecke eigenständig am Samstag durch das Organisationsteam durchgeführt wurde. Der Transport des Materials durch eigene Veranstaltungsfahrzeuge war für die Organisator:innen aufgrund genehmigungsbedingter und logistischer Einschränkungen einfacher umzusetzen.
Vor Ort wurde im Athlet:innen-Garten eine zentrale Ausgabestation eingerichtet, bestehend aus drei Tischen, die als Trinkstation für die Getränkeausgabe dienten. Für die Rückgabe der genutzten Becher wurde ein eigenes System aufgebaut: Insgesamt zehn auffällig gestaltete 240-Liter-Rückgabetonnen wurden an allen kritischen Stellen aufgestellt, in denen sich Athlet:innen über einen längeren Zeitraum aufhalten konnten, wie etwa Ausgabestellen, Sitzbereiche, die Massage-Station, die Duschen sowie die Ausgänge, sodass alle Abfalltonnen gut auffindbar waren. Unterstützt wurde dieses System durch entsprechende Beschilderung sowie durch Volunteers (zu Spitzenzeit bis zu 35 Helfende gleichzeitig), die vor Ort für die Koordination und Orientierung der Sportler:innen sorgten. Laut Organisationsteam wurde der Bedarf im Vorfeld auf 9.000 Becher kalkuliert. Grundlage dieser Kalkulation war die Annahme, dass jede:r Athlet:in im Durchschnitt drei Becher während des Aufenthalts im Garten nutzt.
Herausforderungen
Wer ein eigenes Mehrwegsystem umsetzt, muss Bestellung, Lagerung, Logistik und Spülung eigenständig organisieren – was erhebliche personelle und organisatorische Ressourcen bindet. Die Zusammenarbeit mit einem externen Dienstleister führt hingegen zu höheren Stückkosten im Vergleich zu Einwegprodukten: Ein Einwegbecher schlägt mit ca. 0,04 € zu Buche, während ein Mehrwegbecher inklusive Spülung und Logistik etwa 0,12 € kostet. Diese Preisdifferenz ergibt sich aus den deutlich günstigeren Einwegmaterialien: Je größer die Produktionsmenge, desto geringer fallen die Kosten pro Stück aus. Dem gegenüber stehen die Kosten für Umweltschäden und Müllentsorgung, die nicht im Preis enthalten sind, sondern von der Allgemeinheit getragen werden. Die IRONMAN Germany GmbH hatte alleine durch die Bereitstellung der zehn Rückgabetonnen zusätzliche Ausgaben, die bei einer Einweglösung nicht angefallen wären. Weitere Kosten fielen für die regulär eingesetzten 1.100 Liter- sowie 240 Liter- Mülltonnen an, die für den Einweg-Müll an allen anderen Stellen benötigt wurden.
Eine weitere Herausforderung stellte die Wetterabhängigkeit dar. Kaltes und regnerisches Wetter am Veranstaltungstag führte dazu, dass die Athlet:innen den Garten deutlich schneller verließen als ursprünglich angenommen, um sich möglichst rasch ins Warme und damit an einen anderen Ort als den Garten zu begeben. Dadurch wurden anstelle der kalkulierten Menge lediglich einige hundert Becher tatsächlich genutzt, was die im Vorfeld getroffene Bedarfsplanung deutlich unterschritt.
Zudem kam es trotz Beschilderung und der Unterstützung durch die Volunteers zu Fehlwürfen: Normaler Müll landete gelegentlich in den Mehrwegtonnen, da die Sportler:innen nach der extremen körperlichen Belastung des Wettkampfs nicht immer die nötige Aufmerksamkeit für eine korrekte Mülltrennung aufbringen konnten, zudem fand im Vorfeld keine konkrete Kommunikation zu der Thematik mit den Sportler:innen statt.
Bilanz
Insgesamt verliefen die Vorab-Abwicklung, die Logistik sowie die Handhabung des Systems vor Ort vollkommen unkompliziert und weitestgehend fehlerfrei. Auch bei den Rückgabetonnen selbst gab es keine nennenswerten Verluste oder Entwendungen, nahezu alle genutzten Becher wurden erfolgreich zurückgegeben. Durch den Einsatz von Mehrweggeschirr konnten an dieser Verpflegungsstation sämtliche klassischen beschichteten Pappbecher eingespart werden, wodurch mindestens eine komplette Restmülltonne im Athlet:innen-Garten wegfiel.
Gleichzeitig zeigte sich in der Rückschau, dass eine verlässliche Kalkulation des tatsächlichen Bedarfs und damit einhergehender Kosten eine besondere Herausforderung darstellt, da äußere Faktoren wie das Wetter erheblichen Einfluss auf das Verhalten und die Verweildauer der Athlet:innen im Garten haben und sich entsprechend nur schwer im Voraus einplanen lassen.
Vision
Das erprobte System hat sich als praxistauglich erwiesen und soll künftig als Blaupause für weitere deutsche Ironman-Rennen geprüft werden. Langfristig gilt es dabei, die Kosten des Mehrwegsystems im Detail den Ausgaben für Einweglösungen inklusive Abfallentsorgungskosten gegenüberzustellen, um das Konzept auch ohne externe Kofinanzierung wirtschaftlich tragfähig im Budget zu verankern. Darüber hinaus besteht die langfristige Vision, zu prüfen, inwieweit sich Mehrwegbecher künftig auch bei den Verpflegungsstationen entlang der Wettkampfstrecke, den sogenannten Aid Stations, einsetzen lassen. Denkbar wäre hierfür etwa der Einsatz flexibler, sportspezifisch gestalteter Mehrwegbecher, die den besonderen Anforderungen entlang der Strecke gerecht werden. Ein zukünftiger Einsatz von Mehrweg und der Umgang damit sollte dann auch in den Kommunikationsmaßnahmen deutlich hervorgehoben werden.
Credit Titelbild: Julian Richter
Netzwerk Green Events leitet in dem internationalen Projekt Change(K)now! die Arbeitsgruppe Veranstaltungen.
Das Projekt Change(K)now! wird von Interreg Baltic Sea Region kofinanziert. Das Hauptziel des Projekts ist es, die Darreichung und den Außer-Haus-Verkauf von Lebensmitteln kreislauffähig zu gestalten und so einen Verhaltenswandel von Einweg- zu Mehrweglösungen in den Städten und unter den Bewohner:innen des Ostseeraums zu initiieren.