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Symbol für Partnerschaft Jährlich über 250.000 Besucher:innen und 10.000 Teilnehmende

SUZUKI WORLD TRIATHLON Hamburg 2026: Mehrweg im Nachzielbereich

Der SUZUKI WORLD TRIATHLON Hamburg presented by HAMBUR WASSER, veranstaltet von der Deutschen Triathlon Union e.V. (DTU) gilt als „größter Triathlon der Welt“ und zieht jährlich rund 250.000 Besucher:innen sowie 9.000 Sportler:innen in die Hamburger Innenstadt.

Als naturnahe Sportart trägt der Triathlon eine besondere Verantwortung für den Erhalt von Sport- und Lebensräumen. Die DTU hat sich daher eine nachhaltige Umsetzung der Veranstaltung im Jahr 2023 als strategisches Ziel gesetzt.

Unter anderem im Bereich der Publikumsverpflegung werden bereits diverse Maßnahmen zur Abfallreduktion umgesetzt – etwa durch verpflichtende und freiwillige Nachhaltigkeitskriterien für die rund 15 Stände im Public Catering.

Neu ist die erstmalige Umstellung des stark frequentierten Nachzielbereichs auf ein Mehrwegsystem für Sportler:innen. Gemeint ist damit der abgegrenzte Bereich, den Athlet:innen unmittelbar nach dem Zieleinlauf durchlaufen. Hier findet eine erste Verpflegung statt.  Typische Funktionen des Nachzielbereichs sind folgende:

  • Erstversorgung/Medical Check – Sanitäter:innen prüfen den Zustand der Finisher:innen
  • Finisher-Ausstattung – Ausgabe von Medaille, Finisher-Shirt, Decke/Poncho
  • Verpflegung – Wasser, isotonische Getränke, Snacks/Recovery-Food
  • Lenkung/Crowd Control – geordnete Weiterleitung aus dem Zielbereich raus, um Rückstau bei der Ziellinie zu vermeiden
  • Athletenbetreuung – Bereich für Betreuer:innen/Familie, teils mit Sitzgelegenheiten

Problem

Die Sportler:innen werden direkt nach dem Zieleinlauf in einen Bereich für Nachzielversorgung gebeten. Dort versorgen sich in kurzem Zeitraum tausende Sportler:innen an Trinkstationen. Die Athlet:innen sind körperlich erschöpft und wollen schnell versorgt werden, die Becher werden dabei nur sehr kurz genutzt. Beim Einsatz von Einwegbechern summiert sich das schnell zu großen Müllmengen. Um das zu verhindern, sollte Mehrweg genutzt und die Ausgabe von Getränken in der hochfrequentierten Nachzielverpflegung zügig, unkompliziert und ohne zusätzliche Belastung erfolgen.

Die schrittweise Implementierung von Mehrweg auf Veranstaltungen auf öffentlichen Flächen geht so auch auf gesetzliche Vorgaben des Hamburger Abfallwirtschaftsgesetz ein.Darin wird der Verzicht von Einwegprodukten und der Einsatz von Mehrweg . Weitere Details können hier nachgelesen werden: Deep Dive Mehrwegregulierung in Deutschland

Die Einrichtung eines vom Veranstalter umgesetzten Mehrwegsystems bedeutet Bestellung, Lagerung, Logistik und Spülung selbst zu organisieren. Das beansprucht oft erhebliche personelle und organisatorische Ressourcen. Die gemeinsame Umsetzung mit einem externen Dienstleister bedeutet wiederum höhere Stückkosten pro Mehrwegbehältnis als bei Einwegprodukten. Bei Bechern liegt der Stückpreis eines Einwegbechers ungefähr bei 0,04 € pro Stück und bei Mehrwegbechern eines externen Dienstleisters samt Logistik und Spülung bei ungefähr 0,12 € pro Stück. Grund dafür ist ein systemischer Vorteil von Einwegprodukten. Dieser liegt in der betriebswirtschaftlichen Kostenoptimierung durch industrielle Skaleneffekte, während die tatsächlichen ökologischen Folgekosten sowie die finanziellen Lasten der Müllbeseitigung vollständig auf die Allgemeinheit externalisiert werden. Mehr Details dazu können beim Wegweiser Mehrweg nachgelesen werden.

 

Lösungsansatz

Für die Getränkeausgabe im Zielbereich wurde sich für eine Umsetzung mit externem Dienstleistenden entschieden, als regionaler Mehrweganbieter wirkte Fairplate Mehrwegsysteme GmbH mit den Produkten von sustable mit, der 20.000 Becher samt An- und Ablieferung zur Verfügung stellte und außerdem die anschließende Reinigung in der lokalen Spülstraße in Hamburg Stellingen abwickelte.

Der Nachzielbereich erstreckte sich auf ca. 150 Metern auf der Straße Rathausmarkt zwischen der Mönckebergstraße und dem Reesendamm. Es gab zwei große Ausgänge einmal zur Mönckebergstraße und einmal zur Plan Str. Die Getränkeausgabe erfolgte in einem Zelt mit einem durchgängigen Personalspiegel von 5 Personen. Da die Sportler:innen im Nachzielbereich kein Geld oder sonstige Zahlungsmittel bei sich tragen und es sich um einen nicht öffentlichen Bereich handelt, wurde die Herausgabe ohne Pfand abgewickelt. Die Sportler:innen waren bereits im Vorfeld über Soziale Medien und den Veranstaltungsnewsletter über den Einsatz von Mehrweg informiert worden.

Zur Rückgabe der Becher wurden an den Ausgängen des Nachzielbereichs insgesamt 4 Rückgabetonnen aufgestellt. Sie waren deutlich beschriftet, so dass sie als Rückgabestellen für Mehrwegbecher erkennbar waren. Ergänzend waren die Tonnen durch ca. 4-6 Volunteers pro Schicht betreut, so dass die Sportler:innen proaktiv und mehrsprachig angesprochen und zur Rückgabe der Becher aufgefordert werden konnten. Die Ansprache durch das Personal war ein entscheidender Faktor für die Rücklaufquote, gerade da kein Pfand erhoben wurde.

Im Rahmen der Veranstaltung wurden damit im Nachzielbereich erstmals rund 20.000 beschichteter Einweg-Pappbecher vollständig durch Mehrwegbecher ersetzt. Dies entspricht einer Reduktion der in diesem Bereich anfallenden CO2e-Emissionen um ca. 45% oder 85 kg CO2e, vor allem einer erheblichen Menge an Müll.

Ausgabe von Getränken im Nachzielbereich
Foto: NGE
Mehrwegbecherlager
Foto: NGE

Herausforderungen 

Bei dezentralen Sportveranstaltungen hat sich der Umgang mit Einwegbechern international über Jahre eingespielt. Eine Umstellung auf Mehrweg durchbricht diese eingeübte Routine und erfordert zunächst mehr Kommunikation und Organisation, damit das System reibungslos funktioniert. Das Veranstaltungsteam benötigt Kenntnisse und einen Überblick über mögliche Mehrwegsysteme.

Die Planung der benötigten Mehrwegbechermengen war aufgrund unterschiedlicher Fassungsvolumen herausfordernd. Von den 20.000 gelieferten Mehrwegbechern wurden am Ende nur 10.000 genutzt.

Es gab einen Verlust von ca. 1000 Bechern, was im Vergleich zu vergleichbaren Sportveranstaltungen im höheren Bereich anzusiedeln ist. Ein Grund könnten die großen Ein- und Ausgänge gewesen sein, die die lückenlose Kontrolle für die Helfenden schwierig gemacht haben. Die Beschilderung der Rückgabetonnen war nicht immer gut lesbar – ohne die proaktive Ansprache durch das Personal wäre vermutlich ein noch größerer Anteil der Becher nicht zurückgegeben worden. Das deutet darauf hin, dass eine gute Planung der Rücknahmestellen relevant ist, die Beschilderung sehr auffällig sein muss und der Personaleinsatz zur aktiven Kommunikation ein zentraler, aber auch personalintensiver Erfolgsfaktor ist.

Eine weitere Herausforderung bei der Rückgabe der Mehrwegbecher bestand darin, dass internationale Teilnehmer häufig weniger mit dem Mehrwegsystem vertraut sind. Dies hat die ordnungsgemäße Rückgabe der Mehrwegbecher zusätzlich erschwert und könnte einen Teil des hohen Pfandverlustes erklären.

Zudem enthielten die Rückgabetonnen zum Teil zwei Säcke – einen für Restmüll und einen für die Mehrwegbecher. Diese Trennung innerhalb derselben Tonne ließ sich für die Sportler:innen nicht intuitiv auseinanderhalten, wodurch die Gefahr von Fehlwürfen zwischen Müll- und Mehrwegsack bestand.

 

Bilanz

Das System funktionierte größtenteils reibungslos. Die Ausgabe im Zelt und die Rückgabe an den Tonnen liefen maßgeblich ohne größere Störungen ab. Die Sportler:innen nahmen das Mehrwegsystem gut an. Eine im Nachgang der Veranstaltung per Mail verschickte Teilnehmendenumfrage mit über vierhundert Antworten zeigt, dass 62% der Befragten das System insgesamt gut oder sogar als sehr gut empfanden. 25% haben das System nicht genutzt während 3% das System weniger gut fanden. Der Pilotversuch erwies sich als praxistauglich und soll bei Folgeveranstaltungen fortgesetzt werden.

Die Abwicklung und Kommunikation mit sustable funktionierte reibungslos. Da An- und Ablieferung sowie Spülung als Rundum-Dienstleistung abgewickelt wurden, wurde das Veranstaltungspersonal spürbar entlastet. Allerdings lagen die Gesamtkosten für die Mehrwegbecher inklusive Logistik und Spülung über denen von Einwegbechern – ein Kostenfaktor, der eine Hürde für den Einsatz darstellt.

Für künftige Einsätze wird empfohlen, Müll und Mehrweg klar getrennt zu erfassen, etwa durch separate, am besten farblich eindeutig unterscheidbare Behälter statt zweier Säcke in derselben Tonne. Darüber hinaus sollen die Rücknahmetonnen in gut zu erkennende Rücknahmestationen integriert werden. Es wird auch eine Rücknehmestation direkt an der Ausgabe erwägt. Weiter können die Kommunikationspunkte ausgeweitet werden, z.B. durch schriftliches Briefing der Teilnehmenden und deutliche Symbole an den Ausgangsbereichen.

 

Vision 

Das System wurde in 2026 auch bei weiteren Veranstaltungen der DTU mit anderen Dienstleistern durchgeführt (VR Bank Triathlon Heilbronn powered by Audi und Mey Genralbau Triathlon Tübingen) und von den Veranstaltenden für sehr gut befunden. Die Veranstalter streben künftig eine Wiederholung des Mehrwegsystems im Nachzielbereich an. Dabei sollen die Möglichkeiten zur Rückgabe ausgebaut werden, um sie zu erleichtern und die Zuordnung noch klarer zu machen.

Auswertung der Teilnehmendenumfrage nach der Veranstaltung
SUZUKI WORLD TRIATHLON Hamburg
Rücknahmetonne
Foto: NGE
Rücknahmetonne
Foto: NGE

Netzwerk Green Events leitet in dem internationalen Projekt Change(K)now! die Arbeitsgruppe Veranstaltungen.
Das Projekt Change(K)now! wird von Interreg Baltic Sea Region kofinanziert. Das Hauptziel des Projekts ist es, die Darreichung und den Außer-Haus-Verkauf von Lebensmitteln kreislauffähig zu gestalten und so einen Verhaltenswandel von Einweg- zu Mehrweglösungen in den Städten und unter den Bewohner:innen des Ostseeraums zu initiieren.