Herausforderungen
Eine der Herausforderungen ist der Perspektivwechsel: Barrieren werden häufig von nicht betroffenen Personen identifiziert. Reale Bedarfe können teilweise schwer vollständig erfasst werden, entsprechende Maßnahmen müssen zusätzlich nach tatsächlichem Impact für unterschiedliche Zielgruppen (körperlich, sensorisch, kognitiv) bewertet werden.
Wünschenswert wäre zudem eine erweiterte barrierefreie Planung des öffentlichen Raums. Bauliche Gegebenheiten wie Kopfsteinpflaster, Bordsteine und Stufen sind nicht immer kurzfristig veränderbar.
Die Anzahl der Kabelbrücken könnte noch erhöht werden, um weitere Wege barrierefrei zu gestalten.
Das Leitsystem vor Ort könnte weiter ausgebaut werden. Da sich die Flächengestaltung aufgrund inhaltlicher Anpassungen von Jahr zu Jahr leicht verändert, sind sowohl die entstehenden Kosten als auch Aspekte der Nachhaltigkeit zu berücksichtigen. Ein Leitsystem mit Pfeilschildern hat sich in der Vergangenheit nicht bewährt, da es wiederholt zu Materialverlusten und Zweckentfremdungen kam, beispielsweise durch das Verändern oder Mitnehmen der Schilder.
Bilanz
Seit 2024 wurden die Barrierefreiheitsmaßnahmen deutlich weiterentwickelt. Inklusion wurde gut in Planung und Kommunikation integriert und die Sensibilisierung innerhalb der Organisation und bei Dienstleistenden wurde verbessert.
Die Sichtbarkeit und Nutzung zentraler inklusiver Angebote ( Rolli-Deck, Gebärdensprache, Awareness-Strukturen) erhöht sich von Jahr zu Jahr. Offen bleibt die systematische Erhebung der tatsächlichen Nutzung einzelner Angebote sowie die kontinuierliche Rückmeldung der Community zur weiteren Optimierung.
Die Anschaffung rollstuhlgerechter Kabelbrücken hat sich vollständig amortisiert. Die Kabelbrücken wurden zudem bereits von anderen Veranstaltenden gemietet.
Das Angebot der barrierearmen Sanitäranlage wurde noch gering genutzt. Die Frage ist: Wie kann die Kommunikation vor Ort noch klarer und niedrigschwelliger gestaltet werden, damit Angebote besser gefunden und verstanden werden?
Vision
Das CSD Straßenfest möchte langfristig als Standardsetzer für inklusive Großveranstaltungen wirken. Es wird angestrebt, Inklusion beim CSD noch stärker strukturell zu verankern und weiter auszubauen. An Ideen dazu mangelt es nicht:
- Weiterentwicklung audiodeskriptiver und sprachlicher Unterstützungsangebote, Getränkekarten mit Braille-Schrift
- Prüfung mobiler taktiler Leitsysteme für blinde Menschen (fachlich und sicherheitstechnisch anspruchsvoll im Outdoor-Kontext)
- mögliche Ausgabe von Hörunterstützungssystemen
- stärkere Mehrsprachigkeit der Veranstaltung
- Ausbau barrierearmer Kommunikationsformen für unterschiedliche Bedürfnisse
Gleichzeitig wird anerkannt, dass nicht alle Maßnahmen kurzfristig organisatorisch, technisch oder finanziell umsetzbar sind, sondern schrittweise entwickelt werden müssen.
Deutlich wird, dass an verschiedenen Stellen ein gemeinschaftlich genutztes Materiallager wünschenswert wäre, beispielsweise für Kabelbrücken oder Leitsystem-Materialien, um die Kosten für Veranstaltende geringer zu halten.