Lösungsansatz
Um aussagekräftige Werte zu erhalten, wurde ein mobiles Leistungsmessgerät direkt an die Stromleitung des Veranstaltungsraums angebracht. Das Gerät erfasste während der gesamten Veranstaltung kontinuierlich den Stromdurchfluss, inklusive Kurvenverläufen für Strom, Spannung, Leistung und Energie. Da die Handhabung eines solchen Leistungs- und Energierekorders eine längere Einarbeitung erfordert, übernahm ein Elektriker die Aufgabe.
Im Einzelnen umfasste der Ansatz:
Vorabmessung: Am Veranstaltungsmorgen wurde vor Programmbeginn der Grundstromverbrauch des Gebäudes (Basis- bzw. Offsetwert) erfasst. Dieser wurde später als Korrekturwert vom Gesamtverbrauch abgezogen, um den tatsächlich veranstaltungsbedingten Anteil, etwa durch Belüftung, Beleuchtung und Technik, präzise zu bestimmen.
Kontinuierliche Messung: Während der Veranstaltung lief das Messgerät durchgängig und lieferte raumgenaue Verbrauchsdaten.
Systemgrenzen: Bilanziert wurde ausschließlich der Veranstaltungsraum im ersten Obergeschoss. Gemeinschaftsflächen wie Flure und Treppenhäuser wurden nicht separat erfasst, da dort gegenüber dem Regelbetrieb keine wesentliche Nutzungsänderung stattfand.
Klimabilanz und Kompensation: Auf Basis der gemessenen Stromverbräuche wurden belastbare CO₂-Emissionswerte ermittelt. Die so bezifferten Emissionen wurden anschließend durch die Unterstützung eines Moor-Renaturierungsprojekts kompensiert – ein Beitrag zur Stärkung regionaler Kohlenstoffspeicher und der Biodiversität.
Voraussetzung für diesen Ansatz: Der Veranstaltungsraum wird über einen einzigen Stromkasten versorgt. Werden mehrere Anschlusskästen genutzt, ist pro Kasten ein eigenes Messgerät erforderlich.
Herausforderungen
Der Anschluss des Messgeräts erforderte den Eingriff in versiegelte Leitungskästen und damit zwingend den Einsatz einer Elektrofachkraft. Das verursacht zusätzliche Kosten und setzt eine frühzeitige Abstimmung mit dem Gebäudemanagement voraus. Empfohlen wird ein Vorlauf von drei bis vier Wochen.
Hochauflösende Leistungsmessgeräte können mehrere Tausend Euro kosten. Eine Anschaffung lohnt sich nur bei regelmäßigem Einsatz. Für gelegentliche Messungen empfiehlt sich die Ausleihe über eine Elektrofachkraft, die zudem die passende Messmethode definieren und umsetzen kann.
Nicht alle Veranstaltungsräume lassen sich mit diesem Ansatz erfassen: Wird ein Raum über mehrere Stromkästen versorgt, oder teilen sich mehrere Räume einen Kasten, ist das Verfahren ohne weiteres nicht anwendbar.
Bilanz
Die Klimabilanzierung der Housewarming 2024 konnte erfolgreich umgesetzt werden. Die präzise Strommessung lieferte erstmals belastbare, raumgenaue CO₂-Emissionswerte für diese Veranstaltung. Damit wurde nicht nur eine weitere Umweltkennzahl erhoben, sondern eine echte Grundlage für die Erstellung einer einfachen und einer erweiterten Klimabilanz geschaffen. Die ermittelten Emissionen wurden vollständig durch ein Moor-Renaturierungsprojekt kompensiert.
Vision
Durch die Messung ist ein Ausgangswert entstanden, der als Vergleichsgröße für alle künftigen Folgeveranstaltungen der Housewarming dient. Vor der nächsten Veranstaltung werden die Referenzwerte ausgewertet: Wo liegen die größten Einsparhebel und wie können sie genutzt werden, um die Emissionen gezielt zu senken? Langfristig ermöglicht der Ansatz eine kontinuierliche, datengestützte Weiterentwicklung des Veranstaltungsformats.
Das Verfahren ist übertragbar auf andere Veranstaltungsorte, die keine eigene Einzelraumzählung bieten – und damit ein praktikabler Weg für all jene, die trotz infrastruktureller Lücken eine valide Klimabilanz erstellen wollen.
Entwicklung seit 2024:
Im Jahr 2025 hat die Hausewarming Fachmesse sich erneut zertifizieren lassen. Dabei kamen vermehrt LED Lampen und eine verbrauchsverminderte Technik zum Einsatz.