Nachhaltige Events brauchen nachhaltige Einkäufe
Nachhaltiger Einkauf ist ein Schlüssel für zukunftsfähige Veranstaltungen. Er schont Ressourcen, fördert Innovationen und leistet gleichzeitig einen wichtigen Beitrag zur Erreichung der Klimaziele. Der Hamburger Leitfaden Nachhaltige Beschaffung („Nachhaltigkeitsleitfaden“) zeigt, wie der öffentliche Einkauf von Produkten und Dienstleistungen so gestaltet werden kann, dass ökologische, soziale und ökonomische Kriterien berücksichtigt werden. Übertragen auf den Kontext von Veranstaltungen bedeutet dies für Veranstaltende: Bewusste Entscheidungen sparen Ressourcen, stärken faire Lieferketten und können die Wirtschaftlichkeit von Events verbessern.
Die versteckten Folgen herkömmlichen Einkaufs
Veranstaltungen können erhebliche Umwelt- und Sozialbelastungen verursachen, z.B. durch kurzlebige Produkte, problematische Lieferketten oder Einwegmaterialien. Viele dieser Auswirkungen werden bislang zu wenig berücksichtigt, weil der Einkauf oft hauptsächlich über den günstigsten Preis gesteuert wird.
Durch die gezielte Auswahl nachhaltiger Produkte und Dienstleistungen im Einkauf bewirken wir nicht nur positive Veränderungen bei unseren Veranstaltungen, sondern erzielen auch einen Multiplikationseffekt, der nachhaltige, faire und langlebige Produkte und Dienstleistungen zur neuen Norm macht – auch bei Events.
Nachhaltigen Einkauf bei Veranstaltungen effektiv umsetzen
Veranstaltungen bieten viele Ansatzpunkte: Technik (Audio/Video), Möbel, Ausstattung, Catering, Reinigung, Materialien etc. Durch die Berücksichtigung von Nachhaltigkeitsaspekten beim Einkauf können wir direkt auf Umwelt-, Klima- und Sozialverträglichkeit Einfluss nehmen — und zugleich Vorbild sein. Gleichzeitig lassen sich langfristig Kosten sparen, etwa durch langlebige, reparierbare Ausstattung statt kurzlebiger Wegwerfartikel.
Für wen gilt der Hamburger Leitfaden nachhaltige Beschaffung?
Der Nachhaltigkeitsleitfaden gilt verpflichtend für die Kernverwaltung der Freien und Hansestadt Hamburg und entsprechend für Veranstaltungen von Behörden und Ämtern (inklusive Bezirksämter), Landesbetrieben und staatlichen Hochschulen.
Für Veranstaltungen öffentlicher Unternehmen, Veranstaltungen mit städtischer Förderung sowie auf öffentlichen Flächen oder in enger Kooperation mit der Stadt wird die Anwendung empfohlen.
Für Akteur:innen außerhalb der öffentlichen Verwaltung ist der Nachhaltigkeitsleitfaden als Wissens- und Orientierungshilfe frei nutzbar, etwa für Veranstaltungen privater Veranstalter:innen, Eventagenturen, Kulturinstitutionen, Unternehmen, Vereine und NGOs sowie Bildungsinstitutionen außerhalb der staatlichen Hochschulen.
Was beinhaltet der Hamburger Leitfaden nachhaltige Beschaffung?
Der Leitfaden definiert umfassende ökologische Anforderungen, die unter anderem Zirkularität, eine verlängerte Produktnutzung sowie emissionsarme Transportdienstleistungen adressieren. Im Bereich der sozialen Nachhaltigkeit macht der Leitfaden Vorgaben zu Aspekten wie Gleichstellung und Barrierefreiheit in Ausschreibungen. Darüber hinaus zeigt der Leitfaden auf, wie Gemeinwohlorientierte Unternehmen und bevorzugte Bieter im Vergabeverfahren besonders berücksichtigt werden können.
Für insgesamt 16 Waren- und Dienstleistungsgruppen und eine Vielzahl an Untergruppen sind spezifische Vorgaben für den Einkauf aufgeführt. Eine Negativliste enthält bestimmte Produkte und Produktbestandteile, die vom Kauf ausdrücklich ausgeschlossen sind, um die Ziele der Nachhaltigkeit nicht zu gefährden. Dazu zählen Einwegverpackungen bei Mineralwasser, Bier, Saft und Erfrischungsgetränken, Einweggeschirr und Einwegbesteck, Kaffeekapselmaschinen, Kaffee aus konventionellem Anbau, Papier aus Frischfasern, Holz aus nicht nachweislich legaler und nachhaltiger Waldbewirtschaftung, Wasch- und Reinigungsmittel mit Mikroplastik uvm.
Anhang IV: Kernaspekte nachhaltiger Veranstaltungen
Der Anhang IV des Leitfadens bietet zudem eine Praxis-Hilfestellung, um bei öffentlichen Veranstaltungen bereits in der Planungsphase ökologische, soziale und klimafreundliche Aspekte systematisch zu berücksichtigen. Veranstaltungen sollen nicht nur technisch ablaufen, sondern als aktive Orte der Nachhaltigkeitsumsetzung und -demonstration dienen. Daher sollten nachhaltige Lösungen bereits in der Vorbereitung einbezogen werden – z. B. bei der Auswahl von Veranstaltungsorten, Logistik oder Programmstrukturen.
Veranstaltungen bieten vielfältige Ansatzpunkte für Nachhaltigkeit, laut Anhang IV wird u.a. empfohlen
- Bei Verpflegung/Catering auf Saisonalität und Fairtrade Produkte achten (siehe Kapitel „Lebensmittel“ in Anlage I)
- Druckerzeugnisse möglichst vermeiden oder mit Umweltzeichen nutzen.
- Dekoration nur bei Bedarf, bevorzugt wiederverwendbar und saisonal.
- Merchandise nur bei Bedarf, mengenreduziert, mit Umweltzeichen und langlebig.
- Barrierefreiheit gemäß DIN 18040 sicherstellen, inklusive rollstuhlgerechter Toiletten.
- Abfallvermeidung und -trennung strikt umsetzen; Mehrweg statt Einweg verwenden.
- Energieeffiziente Technik und Ökostrom bevorzugen; Dieselgeneratoren vermeiden.
- Nutzung erneuerbarer Energien vor Ort prüfen.
Hilfestellung für Überblick und Organisation bietet hier auch die Nachhaltigkeits-Checkliste für Veranstaltungen von Behörden und Verwaltung, die von Netzwerk Green Events zur Verfügung gestellt wird.
Vom Wissen ins Handeln
Nachhaltiger Einkauf ist ein starker Hebel für sozial gerechte, ökologische und wirtschaftlich tragfähige Veranstaltungen. Der Hamburger Nachhaltigkeitsleitfaden liefert dafür klare Kriterien, Ausschlüsse und praktische Vorlagen, die sich auf den Veranstaltungskontext übertragen lassen; Anhang IV ergänzt diese um konkrete Hinweise speziell für Events. Wer diese Vorgaben konsequent nutzt, stärkt nachhaltige Anbieter und reduziert Ressourcenverbrauch und mittelfristig auch Kosten.