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OMR Festival: Kreislaufwirtschaft bei Veranstaltungsmaterialien

Das Online Marketing Rockstars Festival, kurz OMR Festival, ist eines der großen Branchentreffen für Digitalwirtschaft und Marketing und fand 2026 Anfang Mai erneut in der Hamburg Messe statt. Rund 70.000 Personen besuchten das Festival, das Konferenz, Expo und Live-Entertainment verbindet. 

Im Fokus dieses Fallbeispiels steht die Weitergabe von Veranstaltungsmaterialien, insbesondere von Bannern, an gemeinnützige, kulturelle und soziale Projekte nach dem OMR Festival. Im Folgenden wird erläutert, wie diese Maßnahme umgesetzt wurde, welche Hürden es gab und was sie seit 2023 bewirkt hat. 

Problem

Eine Veranstaltung dieser Größe ist auf große Mengen an Material angewiesen: für Messestände, Bühnen, Beschilderung, Banner und Dekoration. Wie ressourcenschonend ein Festival betrieben wird, hängt deshalb von vielen einzelnen Maßnahmen ab, von der Beschaffung bis zum Abbau. Das Problem beginnt häufig schon in der Planung: Die Frage „Was passiert nach der Veranstaltung mit den Materialien?“ wird erst kurz vor dem Abbau gestellt. Im eng getakteten Eventbetrieb fehlen dann Zeit, Abnehmer:innen und Logistik für eine Weiterverwendung. Die Folge: Nur für sehr kurze Dauer genutzte Rohstoffe landen im Container. 

2026 besuchten 70.000 Menschen das OMR Festival
Foto: Julian Huke

Lösungsansatz

Nach dem Kreislaufgedanken sollen Materialien möglichst sparsam eingesetzt, so lange wie möglich genutzt und im Kreislauf gehalten werden, statt nach Veranstaltungsende im Container zu landen. Diesem Ansatz folgt auch die sogenannte R-Strategie: reduzieren, wiederverwenden, reparieren (oder refurbishen). Eine vergleichbare Rangfolge gibt das Kreislaufwirtschaftsgesetz (KrWG) mit seiner Abfallhierarchie vor: An erster Stelle steht die Vermeidung von Abfällen, danach folgen die Vorbereitung zur Wiederverwendung, das Recycling, die sonstige, etwa energetische, Verwertung und zuletzt die Beseitigung. Für Veranstaltungen bedeutet das: Ein sparsamer Einsatz von Materialien und die Wiederverwendung vorhandener Materialien haben Vorrang vor jeder Form der Entsorgung. 

Diesen Ansatz vertritt auch das Unternehmen TRASH GALORE und vermittelt seit 2018 wiederverwendbare Materialien aus Veranstaltungen an gemeinnützige, kulturelle, soziale und kreative Projekte. Seit 2023 besteht dafür eine Kooperation mit dem OMR Festival in Hamburg. Bereits vor dem Veranstaltungsende werden die verfügbaren Materialien erfasst und mit den konkreten Bedarfen von Initiativen aus dem Netzwerk von TRASH GALORE abgeglichen. Für die Weitergabe werden möglichst passende Abnehmer:innen gesucht und die Abholung, Sortierung, Verladung und Verteilung koordiniert. 

Beim OMR Festival 2026 konnten dadurch insgesamt 4.800 Quadratmeter Banner vor der Entsorgung bewahrt und an sechs Initiativen weitergegeben werden. 2025 waren es 3.700 Quadratmeter. Zu den Abnehmenden gehörten unter anderem das Waterkant Festival, das Klimaströme Festival, Schrott bewahre e. V., der Kulturgarten Pinneberg e. V., die Honigfabrik Wilhelmsburg e. V. und der Kulturkosmos Müritz e. V. 

Entscheidend ist dabei das Material Matching: Nicht alles, was theoretisch weiterverwendbar ist, wird auch tatsächlich gebraucht. Deshalb werden Materialangebot und die konkreten Bedarfe der Initiativen möglichst früh miteinander abgeglichen. Zusätzlich dokumentiert TRASH GALORE die Weitergabe. So wird nachvollziehbar, wie viele Materialien weitergenutzt werden, welche Projekte sie erhalten und wofür sie dort eingesetzt werden. Ergänzend können die durch die Wiederverwendung vermiedenen Treibhausgasemissionen bilanziert werden. Aus einer zunächst unsichtbaren Abfallvermeidungsmaßnahme wird dadurch ein messbarer ökologischer und sozialer Beitrag. 

Herausforderungen 

Eine der größten Herausforderungen ist, dass Wiederverwendung organisatorisch und wirtschaftlich mit einer sehr etablierten Alternative konkurriert: der Entsorgung. Ein Container ist schnell bestellt. Wiederverwendung benötigt dagegen Informationen über die vorhandenen Materialien, geeignete Abnehmer:innen, Kommunikation, Koordination und teilweise eine zusätzliche Logistik. Eine reine Betrachtung der Entsorgungskosten greift deshalb zu kurz – dennoch ist genau dieser Preisvergleich in der Praxis häufig entscheidend.
Hinzu kommen die sehr kurzen Zeitfenster beim Veranstaltungsabbau. Wo innerhalb weniger Stunden große Mengen Material verschwinden müssen, steht ein materialschonender Rückbau zunächst im Widerspruch zu den eingespielten Abläufen. Wiederverwendung funktioniert deshalb besonders gut, wenn sie nicht erst beim Abbau beginnt, sondern frühzeitig in die Veranstaltungs- und Rückbauplanung integriert wird.
Auch die langfristige Verstetigung solcher Kooperationen bleibt eine Herausforderung. Die Zusammenarbeit zwischen TRASH GALORE und OMR seit 2023 zeigt jedoch, dass wiederkehrende Partnerschaften einen großen Vorteil haben: Prozesse, Verantwortlichkeiten und Materialströme werden mit jedem Jahr besser verstanden und können entsprechend weiterentwickelt werden. 

Bilanz

Seit Beginn der Kooperation im Jahr 2023 konnten beim OMR Festival insgesamt 5.058,92 Kilogramm Material einer weiteren Nutzung zugeführt werden: 

2023: 1.601,30 kg
2024: 1.332,62 kg
2025: 859,00 kg
2026: 1.266,00 kg 

Hinter diesen Zahlen stehen konkrete Projekte. 2023 gingen Materialien beispielsweise an STERNA | PAU, einen Zusammenschluss freischaffender Kostüm- und Bühnenbildner:innen, die gemeinsam in einem Atelier auf dem Gelände des Hamburger Nordhafens wirken und die Textilbanner weiterverarbeiten. 2025 profitierte das Klimaströme Festival von einer Materialspende. Das Klimaströme Festival ist ein Kunst- und Forschungsprojekt für Kinder und Jugendliche in Hamburg. In Workshops entwickeln Kinder Visionen für eine nachhaltige Zukunft, die anschließend in Ausstellungen und bei einer Wasserparade präsentiert werden. Die weitergegebenen Banner wurden dafür als Malflächen genutzt und mit den Zukunftsvisionen der Teilnehmenden gestaltet. 

Nicht nur im Messebereich werden jährliche viele Materialien eingesetzt
Foto: Julian Huke
Materialen wie Banner werden von TRASH GALORE für die Weiterverwendung an Initiativen vermittelt,
Foto: Fabian Schwarze

Vision 

Das langfristige Ziel ist deshalb nicht, immer größere Mengen Material nach Veranstaltungen zu vermitteln. Im besten Fall wird Wiederverwendung bereits in der Planung mitgedacht: Materialien werden reduziert, mehrfach eingesetzt, modular gestaltet oder gemietet. Was dennoch nur einmal benötigt wird, sollte so geplant werden, dass anschließend eine möglichst hochwertige Weiterverwendung möglich ist.
Dafür braucht es langfristige Kooperationen zwischen Veranstaltenden, Produktion, Messe- und Standbau, Logistik und potenziellen Abnehmer:innen. Je früher diese Akteure zusammenarbeiten, desto besser lassen sich Materialströme planen und Kreisläufe schließen.
Die mehrjährige Kooperation mit OMR ist dafür ein Lernfeld: Mit jedem Veranstaltungsjahr entsteht mehr Wissen darüber, welche Materialien eingesetzt werden, wo Wiederverwendung funktioniert und an welchen Stellen bereits vorher angesetzt werden kann.

Die eigentliche Vision des Unternehmens TRASH GALORE ist deshalb durchaus paradox: Wenn das Team ihre Arbeit perfekt macht, schafft es einen Teil davon irgendwann selbst ab. Denn dann wird nicht erst am Ende einer Veranstaltung darüber nachgedacht, wohin überschüssiges Material gebracht werden kann, sondern schon am Anfang darüber, was überhaupt produziert werden muss.