Lese weiter unten, wie die Umsetzung des Formats “altonale kulturfutter” im Rahmen der altonale in den letzten Jahren bis 2026 ausgesehen hat.
Die altonale ist ein umfangreiches Kunst- und Kulturfestival. Bis vor wenigen Jahren dauerte das Festival über 17 Tage und drei Wochenenden im Sommer und bot weit über 300 Veranstaltungen aus den Bereichen Musik, Film, Theater, Kunst, Tanz, Jugend und Literatur an verschiedenen Orten in den Hamburger Stadtteilen Altona und Ottensen an. Durch Konsolidierungen und Sparmaßnahmen wurde die Festivaldauer seit 2025 auf zehn Tage und 150 Veranstaltungen verkürzt, wodurch 150.000 Besucher:innen damit erreicht werden konnten. Dieses Fallbeispiel stellt die Bestrebungen der altonale vor, dem Problem der Lebensmittelverschwendung entgegen zu wirken und berichtet von den Umsetzungsmaßnahmen bis ins Jahr 2026.
Problematik
Lebensmittelverschwendung ist ein ernstzunehmendes Problem: Laut einer Studie des Thünen-Instituts landen allein in Deutschland jährlich etwa 12 Millionen Tonnen Lebensmittel im Müll, vor allem in Privathaushalten, aber auch in Supermärkten, Restaurants, Kantinen und auf Veranstaltungen. Beim „Auswärts-Essen“ wird sogar fast die Hälfte der Lebensmittel entsorgt. Dabei wäre ein Großteil der Abfälle vermeidbar – so das Thünen-Institut.
Lösungsansatz
Das altonale kulturfutter macht seit 2019 auf diese Thematik aufmerksam – und rettet dabei aktiv Lebensmittel. Die altonale kooperiert dafür mit foodsharing, der Hamburger Tafel, Hinz&Kunzt sowie DIE2CHEFS. Etliche sogenannte Foodsaver:innen retten vorab Lebensmittel und 400 bis 800 Menschen nehmen jährlich an der Veranstaltung teil. Das altonale kulturfutter ist wie alle anderen Veranstaltungen der altonale kostenfrei – um einen frei gewählten Beitrag wird gebeten. Mithilfe von Ausstellungen, Impulsgeber:innen und Filmbeiträgen können sich die Besucher:innen über das Thema Lebensmittelverschwendung informieren. Ein besonderer Schwerpunkt der Veranstaltung ist das soziale Miteinander: Altonale kulturfutter möchte Nachbar:innen vernetzen und Menschen aus unterschiedlichen Kulturen und Milieus in den Austausch über den Verbrauch von Lebensmitteln bringen und so neue Wertschätzung erzielen.
Herausforderungen
Lebensmittel für eine so große Anzahl an Gästen zu retten und zu verarbeiten, ist herausfordernd. Hier sind zum einen eine gute Organisation, passende örtliche Gegebenheiten und eine funktionierende Logistik wichtig. Zum anderen bedarf es spontaner Kreativität bei den Rezepten. Auch funktioniert das altonale kulturfutter nur mit Freiwilligen, die bei der Vorbereitung und Durchführung der Veranstaltung helfen. Ausreichend Menschen dafür zu aktivieren, war gerade bei der ersten Veranstaltung schwierig, als das altonale kulturfutter noch weniger bekannt war.
Bilanz
Zum zweiten Mal in Folge hat das altonale kulturfutter 2022 vier Tage lang sowohl Besucher:innen als auch Künstler:innen und Mitarbeitende des Festivals mit Essen versorgt und dabei über 1,4 Tonnen Lebensmittel gerettet. Davon wurden 300 kg zu Marmelade, Kompott oder Mus eingekocht und 250 kg in Form von Care-Paketen für zu Hause ausgegeben. Das altonale kulturfutter ist mittlerweile wesentlicher Bestandteil der altonale und wird von vielen Freiwilligen unterstützt. Auch das Ziel der Teilhabe konnte erfolgreich umgesetzt werden: Den Veranstaltenden wurde gespiegelt, dass das altonale kulturfutter Menschen diverser Milieus und Kulturen zusammenbringt.
Vision
Die altonale möchte altonale kulturfutter ausweiten, um noch weitere Menschen zu erreichen, mehr Lebensmittel zu retten und für das Thema Lebensmittelverschwendung zu sensibilisieren. Auch andere Stadtteile wurden bereits auf dieses Format aufmerksam. Eine weitere Vision ist deshalb, den Modell-Charakter von altonale kulturfutter auszubauen.
Umsetzung von kulturfutter bis 2026
Nach der ersten erfolgreichen Umsetzung 2022 fand auch im Jahr darauf das altonale kulturfutter statt. Es gab einen prominenten Spot auf der Christianswiese, einem der Spielorte des Festivals, und mit der Kombination aus Theaterperformances sowie einem Angebot für junge Gäste, dem Parkour für eine bessere Welt, fügte sich das Kulturfutter noch mehr in das eigentliche Festivalprogramm ein und erreichte ein breites Publikum. Für um die 800 Personen wurde gekocht, sodass circa 1,9 Tonnen Lebensmittel gerettet werden konnten.
Da durch die vorübergehende Abwesenheit der Verantwortlichen keine Leerstelle entstehen sollte, fand in den Jahren 2024 und 2025 zwar kein altonale kulturfutter statt, doch im Rahmen von BioGAStmahl wurden ebenfalls gerettete Lebensmittel gemeinsam gekocht und verspeist, mit zuvor eigens hergestelltem Biogas. Hervorgegangen war dies aus einer Kooperation der Hamburg Open Online University (HOOU), WATTwanderungen in Hamburg, TU Hamburg, Wilhelmsburger Zinnwerke, Christianskirche Altona, KEBAP und foodsharing.
Im Jahr 2026 war das Kulturfutter im Ursprungsformat wieder zurück. An vier Tagen halfen insgesamt 70 freiwillige Helfer:innen und es wurde für 700 Personen Essen gekocht und damit 1,6 Tonnen Lebensmittel vor dem Wegwerfen gerettet.
Das übriggebliebene, bereits gekochte Essen wurde im Anschluss an die Veranstaltung an eine Übernachtungsstätte für Wohnungslose gebracht, sodass etwa 40 wohnungslose Personen davon essen konnten. Die noch nicht zubereiteten Lebensmittel fanden einen Tag später Abnahme bei einer Hamburger Eventlocation, die an bestimmten Tagen eine Essensausgabe anbietet. Insgesamt wurden in den vergangenen Jahren rund 1500 Carepakete zubereitet.
Die Vernetzung, auch zu den Hilfseinrichtungen, ist enorm wichtig, damit wirklich keine Lebensmittel den Weg in die Tonne finden müssen.
Nach wie vor bringt das Event selbst und vor allem die Vorbereitung Menschen diverser Milieus und Kulturen zusammen. Die Mehrheit der Menschen kommt gänzlich unbedarft zum gemeinsamen Kochen, da dies ein niedrigschwelliges Angebot ist, doch die Inspiration bleibt nachhaltig haften und das edukative Element, welche Massen an Lebensmitteln jede:r Einzelne verschwendet, hallt im eigenen Tun nach. Es hat sich teilweise eine wiederkehrende Gemeinschaft entwickelt, andere kommen neu dazu.
Die Herausforderungen bleiben weiterhin die gleichen, auch wenn das inzwischen etablierte Teilprojekt des Festivals ausreichend Helfer:innen sowie Bekanntheit hat. Finanzielle Hürden verhindern angedachte Kooperationen und die gut vorbereitete Planung verlangt jedes Jahr erneut große Spontanität und Flexibilität. Unter anderem ist die Kalkulation der gespendeten Lebensmitteln kaum möglich: die Mengen sind vorab nicht bekannt und während unter der Woche häufig zu wenig, gilt es an Wochenenden teils zu hohe Mengen zu retten.
Auch die Anzahl der Freiwilligen, die an den jeweiligen Tagen helfen, schwankt, ebenso das Gästeaufkommen, das vom Wetter als auch von Konkurrenzveranstaltungen zum gleichen Zeitpunkt abhängt.
Die Vision, altonale kulturfutter auszubauen, ist mit den Fortführungen in den Jahren 2023 und 2026 bereits in die Tat umgesetzt worden. Das Kreislaufdenken im Sinne des Cradle to Cradle Prinzips soll noch sichtbarer gemacht werden, um auf das Leben in einer nachhaltigen Stadt aufmerksam zu machen. Im Fokus stand und steht auch für die Zukunft, für die grundlegenden menschlichen Bedürfnisse zu sensibilisieren. So ist angedacht, mit noch mehr Organisationen zusammenzuarbeiten, die Menschen ohne Obdach unterstützen.


