Das Festival fand seit seiner Premiere 2018 viermal statt, zuletzt am 24. und 25. Mai 2024 im Elbpark Entenwerder in Hamburg. Es versteht sich als Laborplatz zur Erprobung zukunftsfähiger Lösungen für Open-Air-Veranstaltungen.
Problematik
Großveranstaltungen erzeugen typischerweise erhebliche Energie- und Ressourcennutzung – von Bühnenbeleuchtung über Tonanlagen bis hin zur Infrastruktur-Logistik. Vor allem Festivals, die nicht unmittelbar im urbanen Raum stattfinden, greifen häufig auf Diesel-Generatoren zurück, was den Umwelt- und CO₂-Fußabdruck deutlich erhöht.
Gleichzeitig wird Nachhaltigkeit oft mit Verzicht assoziiert, obwohl Publikum Spaß, Musik, Gemeinschaft erleben will. Die Herausforderung liegt darin, Feiern mit möglichst geringem Impact zu verbinden.
Im Fall FUTUR 2 standen zwei zentrale Fragen im Raum: Wie lässt sich durch eigene erneuerbare Energieerzeugung der Energiebedarf decken und wie kann auf Diesel-Generatoren verzichtet werden? Darüber hinaus stellt sich die Frage, wie Energieverbrauch und -erzeugung erfahrbar gemacht werden können, anstatt einfach nur unbegrenzt Strom bereitzustellen.
Lösungsansatz
Bei der Konzeption und Organisation des Festivals wurden mehrere technische, organisatorische und kommunikationsstrategische Elemente gebündelt:
Eigene Energieerzeugung
- Eine „Pedal-Powered Stage“: Besucher:innen treten auf stationären Fahrrädern, die Strom für Licht und Ton der Bühne erzeugen. Ein Ampelsystem zeigt an, ob genug Energie vorhanden ist (grün = alles gut, weiß = Überlast, orange/rot = zu wenig Energie). Der Trittwiderstand passt sich automatisch an: bei hohem Energiebedarf wird es schwerer, bei niedrigem leichter – so bleibt die Stromversorgung stabil und erlebbar.
- Das Festival nutzte eine eigene Solaranlage zur lokalen Stromerzeugung und speicherte Energie zur Schlechtwetter- oder Nacht-Versorgung. Die Anlage war mit Batteriespeichern versehen, die eine Kapazität von bis zu 17,5 kWh hatten, und erzeugte damit durchgehend rund 220.000 Watt. Im Jahr 2024 wurde zusätzlich mit sogenannten Solar Cubes gearbeitet, die gemeinsam mit dem Partner GP Joule GmbH aufgestellt wurden. Die Solar Cubes verfügten über eine Speicherkapazität von bis zu 12 kWh. Sie lassen sich gegenüber üblicheren Solarplatten noch besser in das Festivalgelände integrieren und können aufgrund ihrer Form eine größere Sonnenaufnahmefläche bieten (3 Seiten + oben).
- Einbezogen wurde in den Jahren 2022 und 2024 zudem die Nutzung von Wasserstoff als Energiequelle. Der Einsatz von Wasserstoffgeneratoren bzw. Wasserstoff-Stromversorgung gilt als Pilotprojekt beim Festival.
- Alle technischen Geräte (Ton, Licht, Aussteller-Geräte, etc.) mussten im Vorfeld mit ihrem Stromverbrauch angemeldet werden, damit Last- und Puffermanagement erfolgen konnte. Dadurch wird eine bewusste Verbrauchsplanung ermöglicht.
Verzicht auf fossile Diesel-Generatoren
- Das Festival formuliert den Anspruch, „komplett energieautark“ zu sein, d. h. Strom vor Ort regenerativ zu erzeugen und keinen konventionellen Diesel-Generator einzusetzen.
- In den Jahren 2018/19 war ein Backup-Generator auf Ethanolbasis vorhanden.
- Die Kommunikation mit Aussteller:innen und Künstler:innen betonte den Verzicht auf konventionelle Generatoren bzw. fossile Brennstoffe und forderte transparente Verbrauchsangaben. Diese wurden direkt bei Anfragen und Ausschreibungen abgefragt und gegebenenfalls in der weiteren Kommunikation genau aufgenommen.
Bewusstseins- und Organisationselemente
- Die Pedal-Stage dient nicht nur der Technik, sondern als Erlebnis-Element: Nutzende spüren, wieviel Energie benötigt wird, wie „Strommacherei“ funktioniert, wie Lasten steigen.
- Der Ansatz „so wenig wie nötig“ wurde im Energiekonzept verankert: Es wurde nicht einfach maximale Technik bereitgestellt, sondern per Bedarfserfassung wurden die Lasten optimiert definiert und der Energiepuffer bewusst klein halten.
- Aussteller:innen und Künstler:innen wurden früh in das Energie-Konzept eingebunden – Verbrauchsangaben wurden abgefragt. Die Geräte-Nutzung wurde vor Ort kontrolliert.

