OPEN MOTUH 2024: Nachhaltigkeitskriterien & Stakeholderkommunikation
Das OPEN MOUTH Hamburg Food Festival 2024 zielte darauf ab, Hamburg als Genuss- und Nachhaltigkeitsstandort im Bereich Kulinarik zu positionieren. Der zentrale Veranstaltungsort befand sich im Oberhafenquartier – im OM Zentrum schlug das Herz des Festivals.
Die Veranstaltung bot eine Mischung aus gastronomischen Angeboten, Workshops, Panels und Marktplätzen mit Fokus auf regionaler Herkunft, ökologischer Verantwortung und nachhaltiger Wertschöpfung. Besonders im OM Zentrum wurden die Themen Nachhaltigkeit, bewusster Genuss und Vernetzung von Erzeuger:innen, Gastronomie und Gästen in den Mittelpunkt gestellt.
Problem
Bei der Zusammenarbeit mit Standbetreiber:innen, Dienstleister:innen, Künstler:innen und Sponsor:innen fehlte im Vorjahr noch eine klare, vertraglich verbindliche Grundlage, um Nachhaltigkeitsstandards tatsächlich einzufordern. Bisher existierte keine standardisierte Checkliste oder Klausel, die beispielsweise den Einsatz von Mehrweg, regionalen Zutaten, Ökostrom oder Abfalltrennung regelte.
Zudem war die Kommunikation der Nachhaltigkeitsanforderungen an die verschiedenen Akteur:innen noch nicht systematisch verankert. Viele Beteiligte erhielten Informationen nur informell oder zu unterschiedlichen Zeitpunkten, was zu Verständnislücken und inkonsistenter Umsetzung führte.
Lösungsansatz
Zur Lösung der Problematik wurde im Projektteam ein Vertragchecklistesliste entwickelt wie auch eine Stakeholder Kommunikationsstrategie. Für die erfolgreiche Umsetzung wurden diese miteinander verzahnt.
Vertragscheckliste
Bereits in der Bewerbungsphase für Gastronom:innen, Köch:innen, Produzent:innen, Expert:innen, Bars, Hotellerie, Start Up’s & kulinarische Visionär:innen wurde eine Anlage in Form einer Nachhaltigkeits-Kriterienliste eingeführt. Diese basierte auf den Vorgaben des Nachhaltigkeitskonzepts Open Mouth 2024 und enthielt zehn Themenbereiche:
-
- Pflanzliche Rezeptur: Das Gericht hat eine rein pflanzliche / vegane Rezeptur.
- Tierische Zutaten: Fleisch, Fisch oder Milchprodukte stammen zu 100% nachweislich aus umwelt- und tierfreundliche Quellen (Bio, Haltungsform 4 ohne Gen- Futter, nachhaltige Fangmethode)
- Regionalität: Mind. 80% der Zutaten sind lokal angebaut/produziert und haben Saison.
- Nachhaltige Landwirtschaft: Verwendung nachhaltig erzeugter Lebensmittel (mind. 80% Bio oder regenerativ)
- Frische Zutaten: Verwendung frischer/vollwertiger und gering verarbeiteter Lebensmittel (mind. 80% der Zutaten).
- Fairer Handel: 100% der verwendeten Zutaten aus dem Globalen Süden (Kakao, Kaffee, Nüsse, Früchte etc.) sind fair gehandelt
- Zero Food Waste: Es bestehen Maßnahmen zur Vermeidung von Lebensmittelverschwendung (Wahl der Portionsgröße, Abgabe an Tafeln, Verkauf der Reste über Too Good To Go etc.)
- Zero Waste: Es bestehen Maßnahmen zur Vermeidung von Verpackungsmüll (80% der Zutaten werden lose oder in Mehrweggebinden bezogen)
- Soziales Engagement: Vom Verkauf jedes GFD wird eine gemeinnützige Hilfsorganisation mit einem adäquaten Betrag (z.B. 50 Cent oder 10%) unterstützt
- Energie: Der Betrieb bezieht zu 100% Ökostrom
Für Vertragspartner:innen galt die Einhaltung von mindestens vier dieser Punkte sowie deren Dokumentation durch Nachweise. Diese Möglichkeit der Auswahl bedeutete für die Antragstellenden eine Flexibilität, die Wirkung zeigte. Starre Vorgaben hätten dazu führen können, dass zu wenige Bewerbungen eingingen und damit das Festival gefährdet wurde.
Stakeholder-Kommunikation
Parallel wurde eine strukturierte Kommunikationsstrategie umgesetzt, um alle relevanten Gruppen über die Nachhaltigkeitsziele, -maßnahmen und -verpflichtungen zu informieren. Dazu gehörten unter anderem das Kern- und erweitertes Veranstaltungsteam inklusive Volunteers des Festivals, Dienstleistungsunternehmen (z. B. Technik, Logistik, Reinigung), die Akteur:innen des Oberhafenquartiers, beispielsweise Oberhafen e.V. sowie beteiligte Künstler:innen und Sponsor:innen. Geplant bzw. umgesetzt wurden folgende Maßnahmen:
- Veröffentlichung des Leitbilds und der Kriterien auf der Veranstaltungswebseite sowie auf der Partnerseite Hansen
- Informationsveranstaltungen bzw. Kick-off-Meetings vor Veranstaltungsbeginn
- regelmäßige Updates per E-Mail und Briefing-Runden
Verträge wurden erst nach erfolgter Information und Rückmeldung zur Nachhaltigkeitsverpflichtung abgeschlossen. Damit sollte sichergestellt werden, dass alle Beteiligten die Anforderungen verstanden und akzeptiert hatten.
Herausforderungen
Die zielgerichtete Kommunikation der Kriterien sowie die Nachweisführung erforderten zusätzliche personelle Ressourcen. Nachweise mussten bereits in der Bewerbung mitgeteilt werden und wurden stichprobenartig vor Ort geprüft. Nachweise in Form von Zertifikaten oder Ähnlichem wurden dem Veranstaltungsteam zugesendet.
Einzelne Gespräche mit der Bitte um Ausnahmen kamen vor. Dies lag weniger an der Akzeptanz der Kriterien, sondern eher an der personellen Ressourcenknappheit von Gastronom:innen und Standbetreiber:innen, die teilweise auch eigene Ambitionen bremsten. Die Einhaltung der verlangten Mindestkriterien war jedoch nicht verhandelbar.
Bilanz
Grundsätzlich wurden die Kriterien von Standbetreiber:innen und Gastronom:innen gut angenommen. Sowohl die Auswahl der Kriterien als auch der flexible Anwendungsaspekt haben sich bewährt. Ergebnis war ein diverses nachhaltiges Stand- und Gastronomieangebot. Die Kommunikation nach Außen konnte positiv und individuell außerhalb von Schubladen gestaltet werden. Die Kriterien regten zudem alle Beteiligten dazu an, sich vertiefend mit den Themen auseinanderzusetzen und sich weiterzuentwickeln.
Vision
Bei einer Folgeveranstaltung können die Kriterien wie gehabt übernommen werden.
Ein weiteres Ziel ist es, den Wissenstransfer zu den aufgestellten Inhalten innerhalb der Hamburger Gastronomie weiter voranzubringen. E-Learning-Module könnten ergänzend vertiefende Informationen zu Aspekten wie Food Waste, Mehrweg und weiteren Bereichen vermitteln.
Maßnahmen in diesem Fallbeispiel: