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SUNSET Hamburg: Mehrweg entlang der Laufstrecke

Am 16. Juli 2025 veranstaltete Die Laufgesellschaft den SUNSET Hamburg im Wilhelmsburger Inselpark. Die abendliche Laufveranstaltung bietet einen 5 km Rundkurs, der einzeln ein- bis dreimal oder als Staffel absolviert werden kann. Mit über 35 Jahren Erfahrung organisiert Die Laufgesellschaft jährlich mehr als 20 Events – von Straßen- und Bahnläufen über Charity- und Firmenläufe bis hin zu Staffelläufen – und deckt damit nahezu alle Facetten des Laufsports ab. So setzt sie sportliche Impulse für alle Alters- und Leistungsklassen und motiviert viele Menschen zu mehr Bewegung.

Darüber hinaus legt das Unternehmen Wert auf die Unterstützung sozialer Projekte sowie auf die Verbindung von ökologischer Nachhaltigkeit mit (Groß-)Veranstaltungen.

 

Problem

Einwegbecher haben eine sehr kurze Nutzungsdauer, bis sie zu Abfall werden. Wenn bei Laufveranstaltungen tausende Sportler:innen an der Wasserstation einen Schluck trinken und den Einwegbecher im Anschluss wegschmeißen, entstehen entlang der Strecke schnell große Mengen Abfall.

Da Läufer:innen möglichst zügig ihren Durst stillen wollen und es gewohnt sind, den Becher im Anschluss einfach auf den Boden zu werfen, stellt die Einführung von Mehrwegbechern ein Sicherheitsrisiko dar. Insbesondere, wenn die Veranstaltung groß ist und viele Sportler:innen zeitgleich an der Wasserstation vorbeikommen.

Wenn Läufer:innen ihr Verhalten anpassen und die Becher sicher in Rückgabestationen werfen sollen, darf der Vorgang nur wenig Zeit und Aufmerksamkeit beanspruchen und es muss sichergestellt werden, dass daneben geworfene Becher eingesammelt werden.

Der eigenorganisierte Einsatz von Mehrweggeschirr inklusive Lagerung, Logistik und Spülung stellt für Veranstaltende häufig eine erhebliche organisatorische und personelle Belastung dar. Dies zeigte sich auch bei einem früheren Lauf der Sunset Series, bei dem eigene Mehrwegbecher genutzt und im Anschluss an den Lauf vom Personal gespült wurden.

 

Lösungsansatz

Um Organisation und Logistik rund um das Mehrwegsystem zu verbessern, wurde mit dem Mehrweganbieter FAIRPLATE Mehrwegsysteme GmbH zusammengearbeitet. Für die Veranstaltung wurden 3.000 Becher bestellt und direkt zur Wasserstation geliefert. Diese wurde vor dem Lauf aufgebaut und die Mehrwegbecher befüllt. Standort des Unternehmens samt Spülstraße ist Hamburg Bahrenfeld, somit konnten die Lieferung, Abholung und Spülung der Becher lokal abwickelt, Transportwege gering gehalten und Emissionen minimiert werden. Außerdem war das Personal des SUNSET nicht mit Lagerung und Spülung beschäftigt.

Der SUNSET Hamburg im Wilhelmsburger Inselpark begünstigte das Pilotvorhaben, da der Rund- und Staffellauf nur eine Wasserstation und damit die Betreuung der Rückgabestationen vereinfacht. Selten daneben geworfenen Becher konnten durch ein kleines Team umgehend aufgehoben werden, außerdem konnte sichergestellt werden, dass die Rückgabestationen nicht mit den Abfällen von Besucher:innen gefüllt wurden.

Schon im Vorfeld der Veranstaltung wurden die Läufer:innen über den Teilnehmer:innen-Newsletter zum Mehrwegkonzept entlang der Strecke informiert und zum Mitmachen angehalten.

Als Rückgabestationen dienten fünf Körbe mit weiten Öffnungen, die in 100-Meter Abständen nach der Wasserstation aufgestellt wurden. Plakate zeigten einen Becher in einem Pfeil sowie das Wort ‚Rückgabe‘ und machten so auf die Körbe aufmerksam. Die wiederholte und einfache Ansprache unterstützte die intuitive Rückgabe.

Während der Veranstaltung machte der Moderator wiederholt auf die Mehrwegbecher aufmerksam und klärte über die Rückgabemöglichkeiten auf.

Mit dem Einsatz von Mehrwegbechern konnten so Maßnahmen gegen Umweltverschmutzung durch Abfälle und Ressourcenverschwendung für ein breites Publikum sichtbar gemacht werden.

Wasserstation auf dem SUNSET Hamburg im Wilhelmsburger Inselpark
Frithjof Vogelsang
Mehrwegbecher Rückgabestation
Frithjof Vogelsang

Herausforderungen

Bei Laufveranstaltungen ist die Nutzung von Einwegbechern, die nach der Nutzung an den Straßenrand geschmissen werden, über Jahre gelernt. Dies gilt sowohl für das Veranstaltungsteam als auch für die Läufer:innen. Eine Umstellung auf Mehrweg bedarf zunächst einen höheren kommunikativen und organisatorischen Aufwand, damit das System reibungslos funktioniert. Läufer:innen müssen informiert und das Personal der Wasserstation mit dem System vertraut gemacht werden.

Die Nutzung eines Mehrwegsystems als Dienstleistung ist für den Veranstalter teurer als die Nutzung von Einwegbechern. Konkret bedeutet dies für die Bestellung von 3.000 Becher eine Preissteigerung von ca. 100%. Die Kostensteigerung steht in einem verhältnismäßig kleinen Effekt, wenn es um die Betrachtung von CO2-Emissionen geht, die bei der Umstellung von 3.000 Einweg- auf Mehrwegbechern eingespart werden. Durch eine Umstellung können ca. 12kg CO2e vermieden werden. Das entspricht ca. der An- und Abreise einer Person mit einem Verbrenner-PKW aus einer Distanz von 35 km.

 

Bilanz

Das Mehrwegsystem entlang der Strecke funktionierte reibungslos. Die Rückgabestationen wurden intuitiv genutzt und es blieben kaum Becher auf der Laufstrecke liegen. Die Verlustquote der Becher lag insgesamt bei nur 4 Stück. Das Müllaufkommen entlang der Strecke konnte damit sichtbar reduziert werden, das bemerkten sowohl Läufer:innen, als auch Publikum und Veranstaltungsteam.

Das Angebot einer Rundum-Dienstleistung mit An- und Ablieferung sowie Spülung entlastete das Veranstaltungspersonal spürbar. Die Kosten für die Mehrwegbecher samt An- und Ablieferung sowie Spülung überstiegen die der Einwegbecher und stellen eine Hürde dar.

 

Vision

Die Einführung eines Mehrwegsystems entlang der Strecke bei einem größeren Laufevent wäre eine wünschenswerte Skalierung. Sowohl für eine höhere Vermeidung von Abfall und Emissionen als auch für eine größere Sensibilisierung für nachhaltige Kreislaufsysteme. Jedoch sieht der Veranstalter aktuell aus den folgenden Gründen geringere Chancen, dies umzusetzen:

  • Die genannte Kostensteigerung ist aktuell zu erheblich.
  • Personell erhöhter Einsatz für das Einsammeln der Mehrwegbecher
  • Mehraufwand infrastruktureller Abläufe (Koordination der Lieferung, Auf-und Abbau von Rückgabemöglichkeiten)
  • Sicherheitsbedenken bei größeren Laufveranstaltungen wesentlicher

Damit spricht der Veranstalter ein aktuell noch generelles Problem bei Mehrwegsystemen an: Solange externe Umweltkosten wie Ressourcenverbrauch, Abfallentsorgung oder CO2-Emisionen nicht in den Preis einfließen, sind Einwegverpackungen noch günstiger. Zudem fehlt es an standardisierten Abläufen und weitreichenden politischen Rahmenbedingungen, die den Markt für Mehrweg deutlich verbessern würden. Insgesamt besteht für den Veranstalter aktuell das Risiko, ein bestehendes und funktionierendes System zu verschlechtern. Gleichzeitig sucht dieser weiter nach passenden Lösungen und beobachtet die Marktdynamik rund um Mehrwegangebote.

Rückgabeplakat
Anne-Kathrin Bohn

Netzwerk Green Events leitet in dem internationalen Projekt Change(K)now! die Arbeitsgruppe Veranstaltungen.
Das Projekt Change(K)now! wird von Interreg Baltic Sea Region kofinanziert. Das Hauptziel des Projekts ist es, die Darreichung und den Außer-Haus-Verkauf von Lebensmitteln kreislauffähig zu gestalten und so einen Verhaltenswandel von Einweg- zu Mehrweglösungen in den Städten und unter den Bewohner:innen des Ostseeraums zu initiieren.

 

Maßnahmen in diesem Fallbeispiel:

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Fr, 27.02.2026 | 10:00 Uhr

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