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Rugby EM 2025: Umweltverträgliche Sanitäreinrichtungen

Vom 27. bis 29. Juni 2025 fand mit den Hamburg 7s 2025 das Finalturnier der Rugby Europe 7s Championship Series 2025 im Sportpark Steinwiesenweg in Hamburg statt. Bei diesem entscheidenden Turnier der europäischen Meisterschaftsserie im olympischen 7er-Rugby traten jeweils zwölf Nationalteams der Frauen und Männer an, um die kontinentalen Titel auszuspielen.

Problem

Bei Großveranstaltungen stellen mobile Toiletten ein bekanntes Umweltproblem dar. Herkömmliche Chemietoiletten enthielten beziehungsweise enthalten synthetische Zusätze mit antimikrobieller Wirkung. Studien aus den Jahren 2020 und 2022 haben ergeben, dass Wirkstoffe wie Formaldehyd oder Bronopol Mikroorganismen hemmen und damit die biologischen Prozesse in Kläranlagen beeinträchtigen können. Die Rezepturen chemischer Sanitärzusätze haben sich in den vergangenen Jahren verändert und viele Hersteller setzen inzwischen auf formaldehydfreie oder als biologisch abbaubar deklarierte Formulierungen. Bislang fehlen jedoch unabhängige wissenschaftliche Untersuchungen (2023-2026) die systematisch prüfen, wie sich diese modernen Additive unter realen Bedingungen auf biologische Reinigungsprozesse in Kläranlagen auswirken.

Unabhängig von der chemischen Bewertung werden mobile Chemietoiletten von Nutzenden häufig als unangenehm wahrgenommen. Vor allem im Sommer schrecken Geruch und hygienische Bedingungen das Publikum ab. Auch angrenzende Stände und Gastronomiebereiche berichten regelmäßig von Geruchsbelästigungen.

Darüber hinaus werden die in den Fäkalien enthaltenen wertvollen Nährstoffe im bestehenden Entsorgungssystem überwiegend nicht stofflich zurückgeführt, sondern im Rahmen der Abwasserbehandlung eliminiert oder energetisch verwertet, anstatt gezielt in natürliche Kreisläufe zurückgeführt zu werden.

Der Einsatz von wassergespülten Toiletten ist bei Veranstaltungen häufig nicht möglich, da hierfür lange Zu‑ und Abwasserleitungen erforderlich wären. Sie sind vor allem auf temporär genutzten Flächen oft nicht realisierbar, weil:

  • Die Fläche zu groß genug sind
  • Die Leitungsverlegung zu aufwendig oder teuer wäre
  • Zeitliche oder baurechtliche Einschränkungen bestehen

 

Lösungsansatz

Die Rugby Europameisterschaft 2025 mit Austragungsort Sportpark Steinwiesenweg bot keine Möglichkeit, wassergespülte Toilettenmodule zu nutzen. Aus diesem Grund entschieden sich die Veranstaltenden für den Einsatz von Komposttoiletten des Anbieters Ökoje. Schon im Vorjahr hatte man jeweils zur Hälfte auf Chemie- und Komposttoiletten gesetzt und im direkten Vergleich festgestellt, dass Komposttoiletten für alle Beteiligten die bessere Lösung waren. Denn diese Toiletten kommen ohne Chemikalien aus, verursachen auch im Sommer keine Geruchsbelästigung und ermöglichen es, menschliche Ausscheidungen durch Kompostierung in wertvollen Humus umzuwandeln. Insgesamt wurden sieben Komposttoiletten mit Urinal, ein Pissoir, zwei Handwaschbecken und eine barrierefreie Toilette aufgestellt. Die Anzahl der Toiletten konnte aus den Vorjahren abgeleitet werden. Als besonders praktisch wurde die kostengünstige Instandhaltung und Reinigung wahrgenommen.

Das Angebot von ÖKOJE umfasst automatisch auch die Verwertung der Reststoffe, sodass ein geschlossener ökologischer Kreislauf gewährleistet wird. Diese sind nämlich kein Abfall, sondern ein wertvoller Rohstoff. Nach Veranstaltungen werden die Hinterlassenschaften gesammelt, per Drainage wird die Feuchtigkeit entzogen und die verbleibenden Wertstoffe an einen zertifizierten Kompostierpartner übergeben. Dort werden sie unter strenger Qualitätssicherung hygienisiert und humifiziert. Das Ergebnis: ein nährstoffreicher Recyclingdünger, der in Feldversuchen als hochwertige Humuserde wieder auf die Felder zurückkehrt.

Ökoje Module
Foto: privat
Die Toiletten kommen gut an
Foto: privat

Herausforderungen

Eine der größten Unsicherheiten im Vorjahr war die Akzeptanz der Komposttoiletten bei Spielenden, Zuschauenden und Veranstaltungspartner:innen. Es bestand zunächst Skepsis hinsichtlich Komforts, Geruchsentwicklung und logistischer Machbarkeit. Besonders die Frage, wie die regelmäßige Leerung und Pflege der Toiletten auf dem weitläufigen Gelände gewährleistet werden kann, musste im Vorfeld geklärt werden. Der direkte Vergleich der Toilettensysteme im Jahr 2024 fiel so deutlich aus, dass diese Unsicherheiten im Jahr 2025 bereits nicht mehr bestanden. Zudem stellte sich die Frage nach der Barrierefreiheit dieser Toilettensysteme. Letzteres wurde durch die Bereitstellung einer barrierearmen Komposttoilette gelöst.

Bilanz

Die Umsetzung verlief reibungslos. Die Komposttoiletten wurden von den Nutzenden gut angenommen, es gab keine nennenswerten Beschwerden hinsichtlich Sauberkeit oder Geruch. Die Die von ÖKOJE übernommenen Dienstleistungen inklusive Leerung, Reinigung und Instandhaltung sorgten für einen störungsfreien Ablauf. Auch Veranstaltungspartner:innen und Veranstaltende zeigten sich zufrieden. Die Integration der barrierefreien Komposttoilette stellte sicher, dass die Maßnahme auch inklusiven Ansprüchen gerecht wurde. Insgesamt wurde der Einsatz der Komposttoiletten als Erfolg gewertet, sowohl in ökologischer als auch in sozialer Hinsicht.

Vision

Das Beispiel der Rugby-EM 2025 zeigt, dass nachhaltige Sanitärlösungen auch bei Großveranstaltungen praktikabel und attraktiv sein können. Die Vision ist, Komposttoiletten künftig als Standard bei Sport- und Kulturveranstaltungen zu etablieren – nicht nur als ökologische Alternative, sondern als neues Normal. Durch ihre Fähigkeit, Nährstoffe im Kreislauf zu halten und gleichzeitig den Komfort für Nutzende zu erhöhen, tragen sie zu einer nachhaltigen Veranstaltungsinfrastruktur bei.

Für die Rugby-Europameisterschaft 2026 soll die Anzahl der Module noch einmal angepasst werden, um auch bei hohen Besucher:innenzahlen in den Spielpausen eine gerechtere Nutzung zu gewährleisten. Das Angebot einer barrierefreien Toilette soll stärker nach außen kommuniziert werden, zudem wird zusätzlich eine FLINTA-Toilette eingerichtet.

Maßnahmen in diesem Fallbeispiel: